Hochsitz im Wald (c) HESSENMAGAZIN.de
[Hessen] Wer im Wald unterwegs ist, sucht meist Ruhe, Erholung und ein Stück unverfälschte Natur - und während einer Hitzewelle den gnadenvollen Schatten. Dabei stößt immer mal wieder auf Konstruktionen, die mit einem natürlichen Walderlebnis wenig zu tun haben: Hochsitze, die in der Nähe zu sogenannten Kirrröhren, Salzsteinen oder auch Wildkameras platziert sind.

Auf den Pfosten: Kirrröhre mit Futter links, Salzlecke rechts - um Wild anzulocken (c) HESSENMAGAZIN.de
Für den Spaziergänger offenbart sich hier eine Form der „Hege“, die für Verwunderung sorgt.
Die Jägerschaft führt in der Regel zwar an, dass die gesetzlich verankerte "Hege" – also die Pflege und Regulierung des Wildbestandes – im Vordergrund stünde. Doch das Bild, das sich vor Ort bietet, wirkt auf Besucher eher wie eine gezielte Inszenierung. Da wird Wild mit Futter aus einem Rohr angelockt und mit einem bei Wildtieren sehr beliebten Salzleckstein versorgt. Das Ziel dieser Lenkungsmaßnahmen ist unschwer zu erkennen: Es geht darum, Wild gezielt auf die kleine Lichtung nah beim Hochsitz zu bringen, um den Abschuss zu erleichtern.
Der Begriff ‚Hege‘ ist in der Jagd nicht eindeutig und führt immer wieder zu unterschiedlichen Auffassungen.
Dass das Töten von Tieren als Teil eines „schützenden“ Konzepts verkauft wird, wirkt auf viele Außenstehende wie eine Rechtfertigung für die Beutemachung, wobei die fachlichen Argumente der Jägerschaft (z.B. Wildschadensverhütung im Wald oder Seuchenbekämpfung wie beim Afrikanischen Schweinepest-Virus) ausgelassen sind.
Wenn jedoch Wildschweine durch diese Vorrichtungen bewusst in der Nähe von Wegen und Erholungsgebieten gelockt werden, schlagen Verwunderung und Unverständnis schnell in Sorge um. Ein Tier, das durch Futter an eine Stelle gebunden wird, verliert seine Scheu – und eine Begegnung mit einer Wildschweinrotte kann für Waldbesucher, besonders mit Hund, zur gefährlichen Situation werden.
Während der Wolf als Symbol für eine sich selbst regulierende Wildnis von vielen akzeptiert und als eher scheu wahrgenommen wird, erzeugt die jagdliche Manipulation unserer Wälder eine künstliche Dichte an Wildbeständen, die mit dem ursprünglichen Charakter unserer Natur kollidiert.
So stellt sich die Frage: Muss unser Wald tatsächlich als Kulisse für jagdliche Strategien dienen? Oder wäre es nicht an der Zeit, den Begriff der „Hege“ neu zu denken – weg von der Anlockung hin zum echten Lebensraumschutz, der den Menschen und das Wild gleichermaßen respektiert, ohne den Wald zur jagdlichen Arena umzugestalten?
Quelle: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de





















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