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Klimamonitoring: Der Grün‑Feucht‑Kühl‑Index

Wie Landschaften gegen Hitze wirken (c) HESSENMAGAZIN.de[Deutschland] Der NABU und das ECONICS INSTITUTE stellen am 14. Juli 2026 den Grün‑Feucht‑Kühl‑Index (GFKI) in Berlin‑Spandau vor – an einem außergewöhnlichen Ort: dem "Eiskeller", einem der kältesten Punkte der Hauptstadt. Der Termin bietet Medien die Möglichkeit, die wissenschaftlichen Ergebnisse direkt im Gelände zu erleben. Der GFKI zeigt dort anhand satellitengestützter Daten, wie Vegetationsgrün, Bodenfeuchte und natürliche Kühlung zusammenwirken.

Wälder, Feuchtgebiete und strukturreiche Landschaften fungieren als ökologische Kühlstrukturen, deren Wirkung auf lokaler und regionaler Ebene physikalisch nachweisbar ist. Durch hohe Verdunstungsraten, ausgeprägte Beschattung und eine erhöhte Bodenwasserverfügbarkeit tragen diese Systeme maßgeblich zur Reduktion von Luft- und Oberflächentemperaturen bei. Sie stabilisieren Mikroklimate, puffern Extremtemperaturen ab und mindern die Intensität hitzebedingter Belastungen.

Der Grün‑Feucht‑Kühl‑Index quantifiziert diesen Zusammenhang, indem er Vegetationsgrün, Bodenfeuchte und Kühlleistung zusammenfassend erfasst. Die Ergebnisse zeigen, dass Renaturierungsmaßnahmen – einschließlich der im Rahmen der EU‑Wiederherstellungsverordnung vorgesehenen Eingriffe – nicht nur zur Wiederherstellung ökologischer Funktionen und zur Förderung der Biodiversität beitragen, sondern messbar Kühlungseffekte, Wasserrückhalt und eine erhöhte klimatische Widerstandsfähigkeit erzeugen.

Gut zu wissen

Der Index ist eine wissenschaftliche Kennzahl, die mehrere ökologische Parameter zu einem einzigen Messwert zusammenführt. Beim Grün‑Feucht‑Kühl‑Index (GFKI) werden drei zentrale Größen integriert:

  • Vegetationsgrün (Ausmaß und Vitalität der Pflanzenbedeckung)
  • Bodenfeuchte (Wasserverfügbarkeit im Oberboden)
  • Kühlleistung (tatsächliche temperaturmindernde Wirkung der Landschaft)

Durch die Kombination dieser Variablen entsteht ein aggregierter Indikator, der zeigt, wie stark eine Landschaft zur Temperaturregulation, Verdunstungskühlung und klimatischen Stabilisierung beiträgt. Der Index erlaubt damit eine quantitative Bewertung natürlicher Kühlfunktionen und macht regionale Unterschiede wissenschaftlich vergleichbar.


Das ECONICS INSTITUTE erforscht, wie Vegetation, Bodenfeuchte und Landschaftsstrukturen Klima und Ökosysteme beeinflussen. Mit daten- und satellitengestützten Methoden entwickelt es wissenschaftliche Grundlagen für naturbasierte Klimaanpassung.

Anwendung des GFKI für Kommunen

Der Grün‑Feucht‑Kühl‑Index bietet Kommunen eine praxisnahe Entscheidungsgrundlage, um Hitzevorsorge und Klimaanpassung gezielt zu planen. Durch die Kombination von Vegetationsgrün, Bodenfeuchte und Kühlleistung zeigt der Index, wo natürliche Kühlstrukturen bereits wirksam sind und wo Defizite bestehen. Daraus ergeben sich mehrere konkrete Einsatzfelder:

1. Hitze-Hotspots identifizieren

Der Index macht sichtbar, welche Stadtteile oder Landschaftsräume geringe Kühlleistung aufweisen. Kommunen können diese Hotspots priorisieren – etwa für Begrünungsprogramme, Entsiegelung oder Wassermanagement.

2. Planung von Grün- und Wasserflächen

GFKI-Daten zeigen, welche Vegetations- und Feuchtstrukturen besonders effektiv kühlen. Das unterstützt Entscheidungen zu Parks, Baumreihen, Feuchtbiotopen oder Schwammstadt-Elementen.

3. Bewertung bestehender Landschaftsstrukturen

Kommunen können prüfen, wie gut Wälder, Hecken, Feuchtgebiete oder Auenräume bereits zur Temperaturregulation beitragen – und wo Renaturierung sinnvoll wäre.

4. Klimaanpassungskonzepte präzisieren

Der Index liefert belastbare Daten für kommunale Klimaanpassungsstrategien, Hitzeaktionspläne und Förderanträge. Er zeigt, welche Maßnahmen messbar Kühlung erzeugen.

5. Flächenpriorisierung für Renaturierung

Mit dem GFKI lassen sich Flächen identifizieren, die durch Renaturierung besonders hohe ökologische und klimatische Wirkung entfalten würden – etwa zur Umsetzung der EU‑Wiederherstellungsverordnung.

6. Kommunikation und Beteiligung

Der Index ist visuell darstellbar und leicht verständlich. Kommunen können ihn nutzen, um Bürger*innen, Politik und Verwaltung die Bedeutung naturbasierter Lösungen anschaulich zu vermitteln.

7. Monitoring und Erfolgskontrolle

Durch wiederholte Auswertungen lässt sich nachvollziehen, ob Maßnahmen wie Entsiegelung, Baumpflanzungen oder Renaturierung tatsächlich zu mehr Kühlung und Bodenfeuchte führen.


Quelle: NABU, Ergänzung Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de

 

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