Kämpfen ist anstrengend und macht müde. Deswegen überlassen das viele Leute gerne anderen Menschen. Doch der Gewinn der friedlichen Ruhe im Abseits kann recht schnell vorbei sein, wenn anderswo Entscheidungen über unseren Kopf hinweg gefällt werden, die uns betreffen. Ohne Korrektur kann Schweigen heikel werden: Die Kräfte verschieben sich, so dass wir nicht mehr selbst die Marschrichtung bestimmen können und Einfluss verlieren.
Schädliche Entwicklungen stoppen
Friedliche Ruhe ist wertvoll, aber sie bleibt nur erhalten, wenn man dafür einsteht, falls sie ins Wanken gerät. Klar, es bedeutet in der Regel, seine "Komfortzone" zu verlassen. Doch die Folgen von Passivität sind oft unangenehmer.
Mut zum Risiko: Die Gewissheit zu gewinnen gibt es nicht
Sie kennen das: Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Doch immer ist die Frage: WIE setzen wir uns zur Wehr? Bekommen wir eine Änderung hin nur mit Protest - vielleicht gewaltfrei und öffentlichwirksam oder besser mit ausgefeilter Strategie?
Eine Taktik muss her. Aber WOHER?
Königskinder werden von erfahrenen Strategen unterrichtet, Auszubildende lernen von ihren Ausbildern, Rechtssuchende studieren Urteile, Abnehmwillige orientieren sich an erprobten Konzepten, Sportler haben Programme und Künstler schauen sich Techniken anderer an, bevor sie ihren eigenen Stil finden.
Das bedeutet: Eine gute Taktik entsteht selten als spontaner Einfall, sondern durch Beobachtung, Nachahmung und die Analyse fremder Erfolge. Es muss also ein Vorbild her, ein System, ein Beispiel, das man zerlegt, versteht und dann für die eigene spezielle Situation neu zusammensetzt.
Nehmen wir uns also Zeit zum Denken
Profi‑Strategen sind Menschen, die irgendwann herausgefunden haben, wie Macht und Einfluss funktionieren und wie man sie ausbaut und nutzt. Aber Achtung: Während bequeme - harmoniesüchtige - Menschen sich aus Konflikten heraushalten, können negativ gepolte Akteure jederzeit loslegen und Fakten schaffen, die uns nicht gefallen oder sogar schaden.
Auf dem Weg zum Siegen müssen wir oft Widerstand leisten und ausholen: Wir nutzen Möglichkeiten an machen Stellen auszuweichen, positiven Einfluss zu gewinnen, um das Kräfteverhältnis zu verschieben. Unser Gegenentwurf besteht darin, offen und ehrlich aufzutreten, Verantwortung zu übernehmen und unbedingt mit sportlicher Ausdauer bis zum Schluss dabei zu bleiben.
Wir übernehmen die Zügel und halten durch, ohne uns durch Rückschläge aus dem Rennen werfen lassen
Ein letztendlich erreichter Sieg bedeutet für uns dann viel mehr als nur Stolz und freudiger Triumpf. Er macht sichtbar, was uns wichtig ist und wofür wir einstehen ... UND zeigt unseren Widersachern, dass wir uns nicht die "Butter von Brot nehmen lassen"
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Was noch zu erwähnen ist
Je härter ein Kampf ist und je länger er dauert, desto erschöpfter fühlt man sich am Ende. Das gehört dazu – genauso wie die Möglichkeit eventuell auch Teile oder sogar alles zu verlieren. Das ist ein normaler Prozess, wenn man sich entschlossen hat, aufrecht stehen zu bleiben, anstatt sich wegzuducken.
Seine Blessuren trägt man mit Fassung, um die man letztendlich sogar oft ringen muss...
Man kommt aus einem Kampf selten unversehrt heraus. Manchmal ist man müde, manchmal angeschlagen, manchmal genervt. Bei der Erholung danach geht es demnach nicht um Wellness, sondern darum, Abstand zu gewinnen, die innere Spannung zu senken, sich zu stabilisieren und die Energie zurückzubekommen, die man im Kampf verbraucht hat.
Direkt nach einem Konflikt ist der Kopf oft mit Gedanken überfrachtet. Da hilft spazieren gehen, etwas Banales tun (Haushalt, duschen, kochen, Gartenarbeit), auf der Couch dösen, Musik hören und nette Filmchen gucken. Auch Gespräche mit Freunden können die Anspannung verringern, damit der Körper das Signal gibt: „Gefahr vorbei“.
Erst nach einiger Zeit lässt sich klären, was notwendig oder überflüssig war... Was hat zu viel Einsatz gekostet, was hat dagegen Mut und Kraft gebracht? Das ist keine Selbstkritik, sondern Reflexion, die verhindert, dass man im nächsten Kampf unnötig Energie verliert und möglicherweise zu früh aufgibt.
Wissen, wann man nicht gewinnen kann
Hin und wieder gibt es eine Situation, an der man erkennt, dass weiterer Einsatz keine Wirkung mehr bringt und die Lage ist nicht mehr beeinflussbar ist - egal, wie viel Energie man hineinstecken würde: Das Ergebnis bleibt gleich und jeder weitere Schritt wäre nur noch Selbstverschleiß.
Man würde nur noch aus Prinzip oder falschem Stolz kämpfen, nicht mehr für ein erreichbares Ziel. Sobald sich die Argumente wiederholen, ohne dass sich etwas bewegt, verteidigt man nur noch die eigene Position, nicht mehr die Sache selbst. Da wird dann der Einsatz mit Erfolg verwechselt und aufgeben mit scheitern gleichgesetzt, weil man so viel investiert hat, dass ein Rückzug „unlogisch“ erscheint - oder Loyalität oder Pflichtgefühl den Blick verengen.
Doch: Verlieren ist nicht das Ende. Es ist eine Positionsbestimmung.
Quelle: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de





















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