Redaktionshund Michel heute Morgen auf dem gefrosteten Balkon (c) HESSENMAGAZIN.de
[Hoher Vogelsberg] Nach den ersten fünf Tagen des diesjährigen Novembers sind die Nächte oben auf dem alten Vulkan schon recht kalt geworden. Ein Hauch Frost verwandelt die frisch gewaschenen Balkondielen in eine rutschige Fläche. Wir haben zu spät mit dem Schrubben angefangen und leider den Wettlauf gegen das Wetter in diesem Fall verloren. Doch auf vier Pfoten geht die hündische Inspektion unfallfrei vonstatten ;-).
Michel kann ab nun leider nicht mehr seinen geliebten Outdoor-Ausguck im ersten Stock nutzen. Sein Fell ist zwar isolierend, reicht aber nicht aus, um ihn länger gegen die Kälte von unten zu schützen. So sind für ihn nur noch Stippvisiten auf dem Balkon möglich.
Gut zu wissen
Der Hohe Vogelsberg gehört zu den niederschlagsreichsten und kältesten Regionen Hessens. Nicht selten zeigt sich hier der erste Schnee Wochen bevor in tiefer gelegenen Regionen wie Frankfurt oder dem Rhein-Main-Gebiet an Winter zu denken ist. Denn das Mittelgbirge liegt als „Kältenest“ mitten im hessischen Luftkanal mit freier Bahn für Winde zwischen Taunus, Westerwald und dem Rothaargebirge im Sauerland.
Wenn Tiefdruckgebiete vom Atlantik oder der Nordsee heranrauschen, drücken sie die Luftmassen wie durch einen Trichter nach Hessen hinein. Da steht der Vogelsberg als Prallbock im Weg, ein solitäres, fast kreisrundes Vulkanmassiv frei im hessischen Bergland. Die Luftströmungen fegen über seine Hochebenen, kühlen beim Aufsteigen ab und führen dabei zu feuchter Luft und Niederschlag.
Man nennt es Düsen- bzw. Venturi-Effekt, wenn Wind um ein Hindernis herum strömen muss oder durch Senken gedrückt wird. Da er dabei beschleunigt, pfeift er deutlich heftiger über die Höhenzüge als im flachen Umland. Wahrscheinlich findet sich hierin die Erklärung für die auffällig stark frequentierte Reiseroute der Kraniche, die mit dem passenden Wind über den Vogelsberg Richtung Süden segeln.
Andererseits zeigt sich der Hoherodskopf an trüben Tagen in der kalten Jahreszeit oft mit einer Nebelmütze aus tief hängenden Wolken. Wenn aber die Sonne abends untergeht, erscheint hin und wieder an seinem westlichen Rand als kostenloses Himmelsspektakel ein faszinierender Sonnenuntergang.
Dann sieht man Spaziergänger ihre Handys in die Höhe halten, um die unwirkliche Szenerie im goldgelben Licht festzuhalten, bevor die rot glühende Sonnenscheibe hinter dem Horizont versinkt. An bekannten Aussichtspunkten wie dem Parkplatz Ludwigsquelle am alten Schottenring harren sogar manche Pensionärspaare im Auto sitzend dem Naturschauspiel entgegen und genießen den Moment in beinahe romantischer Stimmung. (Selbstverständlich bei laufendm Motor ;-(
Quelle: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de


















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