[Hessen und Drumherum] Hier ist die Rede von den kleinen Spinnentieren, die im Gras oder Gebüsch lauern, um uns zu entern, damit sie unser Blut zu saugen können. Der allgemeine Begriff "Zecken" umfasst rund 900 Sorten auf der Welt, ca. 20 verschiedene in Mitteleuropa. Meistens ist es bei uns jedoch der gemeine Holzbock, der im Laufe seines etwa 3- bis 5-jährigen Lebens zuerst Mäuse, Eichhörnchen, Kaninchen und Vögel, ausgewachsen dann auch Hunde, Füchse, Katzen sowie uns sticht - nicht beißt! Allgemein bekannt ist, dass er Hautreaktionen an der Einstichstelle hervorrufen und auch verschiedene Krankheitserreger übertragen kann.
Borreliose, FSME-Virus, Rickettsien und Anaplasmen... OH!
Am häufigsten werden Borrelien übertragen, aber auch das FSME-Virus. Beide Infektionserkrankungen können mitunter schwere Verläufe zeigen, die oft schlecht therapierbar sind. Informationen zu diesen Erkrankungen gibt es beim Robert Koch-Institut (RKI), notiert das Bundesumweltamt.
- Borreliose (Lyme-Krankheit) ist eine bakterielle Infektion, die mit Antibiotika behandelbar wäre - sofern man diese verträgt und die Nebenwirkungen einen nicht in die Knie zwingt - siehe: Doxycyclin, Amoxicillin oder Cefuroxim.
Doch nicht immer kommt zu einer Infektion oder einer Erkrankung. Sogar, wenn Antikörper gebildet werden, muss das kein Beweis dafür sein, dass eine aktive Lyme-Borreliose vorliegt. Hm... da ist wohl einiges unklar und eventuell sogar strittig... Außerdem ist man nach einer durchgemachten Borreliose sowieso nicht immun. Eine Impfung dagegen gibt es nicht, und die nächste Zecke lauert schon! MEHR dazu beim RKI <-KLICK. - Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist dagegen eine Virusinfektion, gegen die vorsorglich geimpft werden kann. Sie wieder loszuwerden oder durchzustehen ist schwer, weil es keine Medikamente dagegen gibt. Ärztliche Maßnahmen können also nur die Beschwerden lindern (Fieber, Schmerzen oder neurologische Symptome), bis die Infektion eventuell nach Wochen erst von selbst abklingt.
- Rickettsien und Anaplasmen sind bakterielle Krankheitserreger, die sich in den Körperzellen des "Opfers" vermehren. Laut Umweltbundesamt sind Infektionen damit noch selten, können aber ca. 12 Tage nach Beginn eine Art "Buschfieber" mit plötzlichen Influenza-ähnlichen Symptomen auslösen, z. B. Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Schwäche, Übelkeit, Erbrechen, Husten, Kopfschmerzen und Unwohlsein.
Schlimme Verläufe mit Organversagen, Krampfanfällen und Koma hat man bei Leuten mit geschwächtem Immunsystem festgestellt... WEIA!
Ja, alles kann, muss aber nicht. Es kommt auch auf unser Immunsystem an!
Sicher ist nur: Zecken benötigen für ihr Überleben und ihre Fortpflanzung "Blutmahlzeiten" für jeden Zustandswechsel.
- Ei → Larve (6 Beine, befällt meist Nagetiere) - Dauer ca. 4 bis 8 Wochen
- Larve → Nymphe (8 Beine, sucht Vögel / Mittelgroße Säuger / Menschen) - Nach dem Saugen (ca. 2–3 Tage) dauert die Ruhephase und Häutung am Boden meist 1 bis 3 Monate. Findet die Blutmahlzeit erst im späten Herbst statt, überwintert die Larve und der Wechsel zur Nymphe erfolgt erst nach 6 bis 9 Monaten im nächsten Frühjahr
- Nymphe → Adulte Zecke (Geschlechtsreif, sucht große Säuger / Menschen) - Nach der 3–5-tägigen "Mahlzeit" braucht die Häutung im Sommer ca. 2 bis 3 Monate. Im Herbst überwintert die Nymphe und der Wechsel zur adulten Zecke verzögert sich auf 6 bis 9 Monate.
- Adulte Zecke → Eiablage: Das Weibchen saugt ca. 7 bis 14 Tage. Nach dem Abfallen dauert es im Sommer ca. 2 bis 4 Wochen bis zur Eiablage am Boden, die sich über mehrere Tage hinzieht. Danach segnet sie das Zeitliche und folgt ihrem Zeckenmann, der bereits gleich nach der "Hochzeitsnacht" gestorben ist.
Die Entwicklung einer Zecke - von der KI zusammengefasst
Das Zeckenleben vollzieht sich in mehreren, eng miteinander verknüpften Phasen am Wirt und am Boden. Zu Beginn eines jeden Stadiums sucht sich der Parasit einen passenden Wirt, um dort eine Blutmahlzeit einzunehmen.
Je nach Entwicklungsstufe dauert dieses Vollsaugen mehrere Tage, wobei sich der Körper der Zecke um ein Vielfaches seiner ursprünglichen Größe ausdehnt. Nach dem Ende der Nahrungsaufnahme lässt sich das vollgesogene Tier vom Wirt in die Vegetation fallen. In einer feuchten Umgebung beginnt eine wochen- bis monatelange Ruhephase.
Während dieser Zeit verarbeitet die Zecke das Blut und streift in einem biologischen Prozess, der Häutung, ihre alte Chitinhülle ab. Aus dieser Hülle schlüpft schließlich das nächsthöhere, größere Entwicklungsstadium, welches nach dem Erwachen erneut den nächsten passenden Wirt warten muss, um den Kreislauf fortzusetzen. (Gemini)
Man muss seinen Feind kennen, um sich besser zur Wehr setzen zu können
Wir haben neben allen abgedroschenen - oft sinnlos runtergeleierten - Ratschlägen einige wirksame Tipps gefunden, die wir selbst anwenden.
- Der Hund wird mit Einmalhandschuhen im Kraulmodus abgesucht und vor dem nächsten Spaziergang mit Kokosöl- bzw. Fett eingerieben. Beides mögen die Biester nicht (im Gegensatz zu unserem Michel-Hund ;-). Alternativ bekäme er Chemie ins Fell - plus einige Nebenwirkungen...
- Jede erreichbare Zecke wird - egal wie - herausgezupft und in Spüliwasser ertränkt. Letzteres sorgt ohne seine Oberflächenspannung für ihr Absaufen.
- Wer keinen Arzt aufsucht, besprüht die malträtierten Hautstellen sofort mit Wundspray, Alkohol oder Desinfektionsmitteln aus der Coronazeit (gegen Bakterien UND Viren).
- Die Teile der Zecke, die nicht mit entfernt wurden, bekommt man in wenigen Tagen samt einer kleinen Entzündung aus der Haut - genau so wie einen Splitter...
- Wichtig ist es, sein Immunsystem zu stärken, denn das hilft auf jeden Fall - sogar bei solchen Leuten, die glauben, Antibiotika auf Verdacht zu schlucken, wäre die optimalste Lösung.
Gut zu wissen
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Links: Desinfektionsmittel mit Alkohol - Rechts: Beipackzettel eines hochprozentigen Mittels - auch geeignet zum Trinken - etwas verdünnt (c) HESSENMAGAZIN.de
Zum Maßhalten: In ein Schnapsglas passen 20 ml, in ein Bierglas je nach Form zwischen 300 ml und 500 ml, und ein Weinglas fasst 150 ml :-)))
Sie sollten Ihren teuren Schnaps mit 40 % nicht unbedingt zum Desinfizieren nutzen. Besorgen Sie sich lieber gut riechenden Franzbranntwein mit 50-60 %. Doch erst bei einer Konzentration von ca. 70 % ist die Wirkung richtig effektiv und die bekommen sie mit Isopropanol aus der Apotheke hin. Octenisept aus der Drogerie ist ein wirkungsvolles Wundspray, das nicht auf der Haut brennt.
Und hier lesen Sie noch einen der albernsten Sätze zu Zecken: "Öl, Klebstoff oder Nagellack reizt das Tier: Die Zecke gerät in Todesangst und erbricht im Todeskampf seinen infektiösen Mageninhalt in die Wunde, der Krankheitserreger wie Borreliose überträgt." (Zitat aus dem Internet)
P R O S T
Quelle: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de