foodwatch-Labortest findet verbotene Pestizide

Dienstag, den 19. Mai 2026 um 06:40 Uhr Das leibliche Wohl - Gesund oder ungesund bis giftig
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Frei von Pestiziden (c) foodwatch[Deutschland] Viele Lebensmittel im Supermarkt sind mit Pestiziden verunreinigt, die in der EU nicht mehr zugelassen sind. Das zeigt ein internationaler foodwatch-Labortest von Reis, Gewürzen und Tee. Zwei Drittel aller Produkte im Test (43 von insgesamt 64) waren mit in Europa verbotenen Ackergiften belastet – darunter Eigenmarken von Rewe, Aldi, Edeka und Lidl sowie Produkte von Teekanne, Meßmer und dem Gewürzhersteller Fuchs/Ostmann.

Zahlreiche der gefundenen Pestizidwirkstoffe sind in Europa verboten, landen aber über importierte Lebensmittel wieder bei uns im Supermarkt. Die EU-Kommission plant zwar aktuell, die Regeln für Importlebensmittel zu überarbeiten. Doch zum einen reichen die Vorschläge bei Weitem nicht aus. Zum anderen lehnt Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer die EU-Pläne bisher ab. foodwatch forderte den deutschen Minister auf, seine Blockadehaltung aufzugeben und sich in Brüssel für eine Null-Toleranz-Regelung einzusetzen: Lebensmittel mit Rückständen von verbotenen Pestiziden dürfen nicht in die EU importiert werden.

Produktbild (c) foodwatch

„Ackergifte, die in Europa verboten sind, dürfen nicht über importierte Lebensmittel wieder auf unserem Teller landen! Der giftige Pestizid-Bumerang muss gestoppt werden“, sagte Annemarie Botzki von foodwatch. „Wer mit Paprikapulver würzt, den Kreuzkümmel ins Curry gibt oder eine Tasse grünen Tee trinkt, ahnt es nicht: In vielen Lebensmitteln, die wir alltäglich essen, stecken Pestizidrückstände – darunter Substanzen, die bei uns in Europa seit Jahren nicht mehr zugelassen sind. Doch statt uns Verbraucher:innen besser zu schützen, blockiert ausgerechnet der deutsche Ernährungsminister strengere Regeln zu Pestizidrückständen.“

foodwatch-Labortest: 2 von 3 Produkten enthalten verbotene Pestizide

foodwatch hat insgesamt 64 Produkte aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Österreich im Labor untersuchen lassen. 43 Proben (67 Prozent) enthielten Rückstände von einem oder mehreren in Europa verbotenen Pestiziden. Besonders betroffen: Paprikapulver, Chili, Kreuzkümmel und grüner Tee. Hier enthielten ausnahmslose alle Proben Rückstände von nicht zugelassenen Pestiziden.

foodwatch fordert Rückruf von belasteten Produkten

In Deutschland hat foodwatch 19 Produkte unter die Lupe genommen, 13 waren mit Pestiziden belastet – und zwar alle mit Mitteln, die in Europa nicht mehr zugelassen sind. Drei Produkte überschritten sogar den gesetzlichen Grenzwert: Fuchs Kreuzkümmel, Kania Kreuzkümmel und REWE Chili Mix. foodwatch fordert, dass diese Produkte umgehend zurückgerufen werden.

Doch selbst wenn ein Produkt den gesetzlichen Grenzwert einhält, bedeutet das nicht automatisch, dass es sicher ist. Der sogenannte Cocktail-Effekt stellt ein Risiko für Verbraucher:innen dar. Die Wirkungen von Stoffen mit ähnlichen Mechanismen können sich addieren und eine kritische Belastung hervorrufen, auch wenn die Einzelbelastung als unbedenklich gilt.

Die Ergebnisse im Detail:

Kreuzkümmel: 217-mal so hoch belastet wie erlaubt

Pestizid-Cocktail in Paprikapulver

Besonders alarmierend: die Paprikaprodukte. Der foodwatch-Test zeigt: Wer Paprikapulver verwendet, nimmt dabei ein breites Spektrum an Chemikalien zu sich – auch wenn die Mengen sehr gering sind:

Rewe Chili-Mix mit den meisten Pestiziden

Auch Tee mit problematischen Rückständen

Positiv: Der Magen-Darm-Kindertee von Mivolis, der „Westminster“-Schwarztee (Aldi Eigenmarke) sowie Lord Nelson Schwarzer Earl Grey (Lidl Eigenmarke) waren frei von Pestizidrückständen.

Reis ebenfalls mit Rückständen

Positiv: In Dr. Oetker Milchreis, Oryza Ideal Reis und Ben’s Original wurden keine Rückstände nachgewiesen.

Quelle und mehr: foodwatch.de - Report (englisch) <-KLICK