[Vogelsberg] Zum Thema gastronomisches Angebot in unserem Mittelgebirge sollte man wissen: Zu Essen gibt es auf dem Land nicht an jeder Ecke etwas zu kaufen. Auch belegte Brötchen erhält man nicht überall, Bratwurststände, Döner-Läden oder Imbissbuden sind besonders rar, selbst an Tankstellen ist nicht immer etwas Essbares zu bekommen. Wer aus der Stadt kommt, muss sich umstellen, wenn er Hunger bekommt... und nicht gerade zufällig an einem touristischen Hotspot gelandet ist.
Selbstverständlich gibt es auch im Vogelsberg klassische Restaurants. Allerdings nicht in jedem Ort. Sie sind keine sozialen Treffpunkte, denn Leute feiern dort Geburtstag, Touristen kehren nach Ausflügen ein, und Einheimsche leisten sich hin und wieder sich gut angezogen einen "schönen Abend".
In der Regel haben Gäste sich an die üblichen Öffnungszeiten zu halten. Warme Küche gibt's kaum noch zur Mittagszeit. Doch wenn man Glück hat, sind schon ab 17 Uhr und eventuell bis 22 Uhr Essensbestellungen möglich. Ausnahmen bieten die wenigen, durchgehend geöffneten Ausflugsgaststätten, die jedoch ihre Türen schon am späten Nachmittag schließen, wenn der Ausflugsverkehr endet.
Während Restaurants in erster Linie dem Speisen dienen, waren Dorfgaststätten stets weit mehr als bloße Gastronomiebetriebe. In den Städten erfüllten die Eckkneipen eine ähnliche Funktion. Man musste keinen Tisch reservieren, sondern kam einfach vorbei. Auf ein Bier, auf ein Gespräch, oft noch in Arbeitskleidung. Hier wurden Neuigkeiten ausgetauscht, Kontakte gepflegt und Nachbarschaft gelebt. Wer Hunger hatte, bekam dazu häufig noch ein einfaches Abendbrot.
Heute verschwinden diese Orte zunehmend. Mit ihnen geht ein Stück gutbürgerliche Alltagskultur verloren. Verständlicherweise müssen Gastwirte wirtschaftlich arbeiten und können keine soziale Auffangstation sein, die dem letzten Gast noch eine Suppe warm hält. Doch die Alternativen wirken ernüchternd: Der länger geöffnete Supermarkt ersetzt die Gaststätte nicht. Dort kauft man ein Fertiggericht für die Mikrowelle und isst es später - meistens alleine - vor dem Fernseher...
Doch es gibt Trost: Die Vereinsfeste :-)
Vielerorts füllen Vereine die Lücke, die Gasthäuser hinterlassen haben. Und erstaunlich oft geschieht das rund ums Essen. Für leibliche Wohl wird gesorgt z. B. beim Backhausfest. Auf einer abgesperrten Straße werden Bänke und Tische aufgestellt, unter provisorischen Zeltdächern findet jede und jeder einen Platz. Man sitzt zusammen, kommt ins Gespräch und genießt frisches Brot, Kuchen und regionale Spezialitäten: Hähnchen, Haxen und Spießbraten.
Im Laufe des Jahres folgen Feuerwehrfeste, Kerben, Vereinsjubiläen, Weihnachtsmärkte und unzählige weitere Gelegenheiten, bei denen Gemeinschaft selbstverständlich gelebt wird. Für ein paar Stunden oder Tage entstehen immer wieder kleine „Pop-up-Gaststätten", in denen nicht nur gegessen wird, sondern auch das geschieht, was einst die Dorfwirtschaft ausmachte: Menschen begegnen sich - auch Fremde :-)
Die Adressen dieser temporären Lokale brauchen übrigens meist nicht bekannt gegeben zu werden. Die kennt man. Und falls nicht: Orientieren Sie sich einfach an den ungewöhnlich vielen geparkten Autos und folgen Sie dem Duft von Bratwurst, Kuchen oder frisch Gebackenem :-)
Übrigens: Die Ankündigungen solcher Feste findet man selten auf großen Veranstaltungsportalen. Sie erscheinen oft nur als knapper Hinweis im Gemeindeblättchen - oder in der Orts-App, wie HIER <-KLICK.
Quelle: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de