[Hessen und Drumherum] Unser Biber ist von einer beinahe ausgerotteten Art zu einem zentralen Verbündeten für Renaturierung, Klimaschutz und widerstandsfähige Gewässerlandschaften geworden. Zum Internationalen Tag des Bibers betont jetzt der NABU, dass die Tiere mit ihren Dämmen das Wasser in der Landschaft halten, Grundwasser stabilisieren, Hochwasser abmildern und neue Lebensräume schaffen. Damit leisten sie einen natürlichen Beitrag zu Biodiversität, der Wasserqualität und der Kohlenstoffbindung.
Die Population von inzwischen rund 40.000 Tieren zeigt, wie erfolgreich Schutz und Renaturierung wirken können
Zwar bleiben Konflikte durch überflutete Flächen bleiben nicht aus, sollen aber durch Beratung, Schutzmaßnahmen und Kooperation mit Landnutzenden lösbar sein. Die EU‑Wiederherstellungsverordnung gibt dabei politischen Rückenwind für die Renaturierung u. a. mit dem Biber, der als Beschleuniger natürlicher Prozesse gilt. Angesichts des schlechten ökologischen Zustands der meisten deutschen Fließgewässer sieht der Verband im Biber eher einen Hinweis auf notwendige Veränderungen als eine Ursache von Problemen.
Quelle: NABU
Das Land Hessen reagiert auf Konflikte zwischen dem Biberbestand und der Land-, Forst- sowie Fischereiwirtschaft
Umweltminister Ingmar Jung stellt eine neue Biber‑Billigkeitsrichtlinie vor, die Betrieben finanzielle Unterstützung bei Schäden bietet
Der Europäische Biber (Castor fiber) ist streng geschützt und unterliegt der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie sowie dem Bundesnaturschutzgesetz. Seine Rückkehr verändert lokal die Gewässerdynamik und kann Nutzungskonflikte verursachen. Er gilt zwar als Erfolg des Artenschutzes, verursacht aber oft lokal Probleme wie vernässte Flächen, Fraßschäden oder Beeinträchtigungen an Teichanlagen.
Die hessische Richtlinie ermöglicht Ausgleichszahlungen von bis zu 90 Prozent der anerkannten Schadenshöhe, beginnend ab 250 Euro und gedeckelt bis 25.000 Euro pro Fall. Schäden werden unkompliziert über die Forstämter gemeldet, die auch die Bewertung übernehmen. Anträge können ab sofort bei den zuständigen Regierungspräsidien gestellt werden.
Parallel dazu setzt das Land auf Prävention und ein aktives Bibermanagement, um Konflikte langfristig zu reduzieren. Es wird betont, dass Artenschutz und wirtschaftliche Nutzung zusammen gedacht werden müssen, indem Belastungen fair ausgeglichen werden.
Quelle: Hessisches Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat
Der Hessische Bauernverband begrüßt, dass die Biber-Billigkeitsrichtlinie nun veröffentlicht wurde
Überflutete Flächen, sinkende Erträge und strukturelle Schäden
Man hat in einer Stellungnahme zentrale Forderungen aus Sicht der Landwirtschaft formuliert: Die Biberpopulation in Hessen wächst seit Jahren stark an. Inzwischen leben rund 1.900 Biber im Land, viermal mehr als noch vor zehn Jahren. Das führt zunehmend zu großen Herausforderungen für landwirtschaftliche Betriebe, wie der Hessische Bauernverband mitteilt: Überflutete Äcker und Wiesen, beschädigte Drainagen, Ertragsverluste und Einschränkungen in der Bewirtschaftung zählen zu den Folgen.
„Was aus Sicht des Artenschutzes eine Erfolgsgeschichte ist, entwickelt sich für viele Bäuerinnen und Bauern zu einer enormen Belastung“, sagt Andrea Rahn-Farr, Vizepräsidentin des Hessischen Bauernverbandes. „Die hessische Landesregierung hat erkannt, dass eine Biber-Billigkeitsrichtlinie notwendig ist – aber sie kann nur ein Baustein eines umfassenden Bibermanagements sein“, betont sie.
Entscheidend wird insbesondere sein, dass die Verfahren zügig und praxisgerecht abgewickelt werden und alle Seiten gemeinsam nach Lösungen suchen, sodass großflächige Bewirtschaftungseinschränkungen für die landwirtschaftlichen Betriebe vermieden werden. Rahn-Farr sagt, dass es nicht darum gehe, den Biber grundsätzlich infrage zu stellen, sondern um verlässliche Rahmenbedingungen: „Die Entwicklungen sind kein tragbarer Zustand für die hessischen Betriebe. Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass Landwirtschaft und Artenschutz nebeneinander bestehen können.“
Mehr dazu lesen Sie im Positionspapier des Hessischen Bauernverbandes.
Quelle: Hessischer Bauernverband e. V.